Buchtipp: Benedict Wells – Becks letzter Sommer

In Freizeit, Bücher am 27.01.12

Eigentlich hatte ich gar nicht die Absicht, dieses Buch zu kaufen. Durch Zufall bekam ich es jedoch in meine Hände und – es war ein Glücksgriff! Die ereignisreichen Abenteuer, in die Robert Beck, ein ehemaliger Rockstar, der nun als Lehrer arbeitet, sein verrückter afrikanischer Freund Charlie und Becks Schüler, der notorische Lügner Rauli aus Litauen, immer wieder stolpern, haben mich bis tief in die Nacht begleitet und nur noch schwer losgelassen!

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Robert Beck ist Deutsch- und Musiklehrer. Gerne ist er das jedoch nicht. Eigentlich lebt er gedanklich immer noch in der Vergangenheit und denkt oft an seine Zeit als Rockstar mit seiner Band zurück. Wäre nur nicht alles schief gelaufen… Könnte er doch wieder an diese Zeit anknüpfen… Als er vom außerordentlich musikalischen Talent seines Schülers Rauli erfährt, sieht er die Zeit gekommen. Mit ihm könnte er noch einmal so richtig durchstarten und seinen Traum verwirklichen. Und dann ist da noch Charlie, Becks ehemaliger Bandkollege und einziger Freund. Charlie ist Hypochonder und überzeugt davon, bald zu sterben. Deshalb muss er noch einmal auf große Reise gehen, um seine Mutter ein letztes Mal zu sehen. Mit Beck und Rauli im Gepäck reisen sie mit einem relativ schrottreifen Auto von München bis nach Istanbul und erleben (dank Charlies geheimer Mission) viel mehr, als ihnen lieb ist.

Benedict Wells hat aus Robert Beck eine unglaubliche Persönlichkeit gezaubert. So kühl und  emotionslos, wie er zunächst wirk, entwickelt sich Beck im Laufe des Buches zu einer so nachdenklichen, ja fast zerbrechlich Person. Beck steckt in einer Lebenskrise. Er lebt zwischen der glanzlosen Vergangenheit und der aussichtslosen Zukunft. Ein Lichtblick ist da Rauli Kantas, sein unbekümmerter, rotzfrecher Schüler, der mit seiner Familie aus Litauen nach Deutschland kam. Nicht nur Beck, sondern auch die Leser legt er immer wieder mit seiner Kunst des Lügens rein. Wer er ist und was davon nun stimmt oder nicht, bleibt für die Leser fast das ganze Buch über ein großes Rätsel, welches man immer wieder lösen möchte. Aber dem Jungen mit der naiv kindlichen Art kann man nichts übel nehmen. Auch Charlie, den afrikanischen Paradiesvogel, findet man einfach sympathisch, auch wenn er nicht von dieser Welt ist. Zu dritt sind sie ein wirklich urkomisches Gemisch, drei völlig unterschiedliche Welten, die aufeinander treffen. Aber gerade das macht diese Geschichte aus. Es passiert immer wieder etwas Unerwartetes. Wells beherrscht die Kunst, die Spannung durch und durch aufrecht zu erhalten. Und auch sein wunderbar trockener Humor passt  bestens in den Rahmen hinein. Einige Passagen erscheinen einem zwar kurz vor Schluss doch ein wenig zu bizarr und etwas in die Länge gezogen, doch der überraschende Schluss bringt letztendlich alles wieder ins Reine und rundet das Buch bestens ab.

Fazit: Wer thematisch mal etwas ganz anderes lesen möchte und sich gerne die Nächte mit einem super Buch um die Ohren schlagen möchte, sollte sich auf dieses Buch einlassen!

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