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In Uni, Veranstaltungen am 10.03.10 um 10:11
Der Bologna-Prozess wird heuer zehn Jahre alt und hätte eigentlich bereits seinen Zenit und die damit verbundenen Erfolge erreichen sollen. Da dies aber in der Theorie schöner klingt als in der Realität, diskutierten ausgewählte Experten Dienstagabend an der Klagenfurter Universität.
Ein paar Leute waren um 18.00 Uhr im Z1.09, in einer der hinteren Ecken des Hauptgebäudes der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt, bereits zu finden. Der Rest sah die Diskussion ganz im Rahmen des studentischen Sinns und kam um 18.00 Uhr c.t. - also mindestens 15 Minuten später zu der von der ÖH ausgerichteten Podiums-Diskussion zum zehnjährigen Bestehen des Bologna-Prozesses. Eine Bilanz sollte gezogen werden, nämlich über jene Fortschritte – oder Rückschritte – die die „Bologna'isierung“ mit sich brachte.
Enthusiastisch erklärte ÖH-Vorsitzender Stefan Sagl in seiner Einleitung, dass man sich auch innerhalb der Studierendenvertretung auf Populismus diesbezüglich spezialisiert habe und, ganz im Zeichen der Studierenden, eine Riesenpizza verteilte: denn frage man sie danach, was Bologna denn sei, träten vor allem Assoziationen mit lukullischen Freuden in den Vordergrund.
Gegenüber dem mittlerweile angewachsenem Publikum saßen jene Experten und Diskutierwillige die zur Podiums-Diskussion geladen waren: Dr. Günther Stotz, Dr. Paul Kellermann, Dr. Robert Lendauer, Stuv-Mitglied Christoph Wurzer und Dr. Michael Wieser. Moderiert wurde von Sebastian Haberland und Benedikt Mayer. Den Einwänden entspannt und dennoch konzentriert, lauschte Rektor Heinrich C. Mayr in der vorletzten Reihe als Zuhörer und Zuseher.
Von einer Steigerung der Studienabbrecher von 21 auf über 30 Prozent war noch zu Beginn, in der Ansprache des ÖH-Vorsitzenden, die Rede. Später konzentrierte man sich zunehmend auf die Problematik des „Nicht-Studieren-Könnens“ durch die zunehmende Straffung und Ökonomisierung des Studiums. Überhaupt beherrschte der Begriff der Ökonomisierung den Raum. „Es ist nirgends die Aufgabe der Wirtschaft zu dienen“, empörte sich Dr. Paul Kellermann über die derzeitigen Zustände. Es herrsche eine viel zu starre Fokussierung auf wirtschaftliche Aspekte. „Beim Studieren geht es darum, Selbstverantwortung zu übernehmen. Es geht an der Uni um wesentlich mehr Kompetenzen als nur um einen Schein.“, so Kellermann weiter. Fast resignierend gab er jedoch zu bedenken, dass er bereits emeritiert sei und von vielen internen Informationskreisen der Universität ausgeschlossen sei. Seiner Kritikfreudigkeit an dem Bologna-System und dessen Umsetzung tat dies aber keinerlei Abbruch.
Konträr zu der herben Kritik am System, fand vor allem der Vizerektor Dr. Robert Lendauer klare Worte: „Bologna wird bleiben, so wie der Euro bleibt“. Wenn man davon spreche, dass die Ziele der Studien in Österreich schlecht definiert seien, so müsse man dabei aber auch die gelobten Diplomstudium inkludieren, meinte Lendauer und bezog sich dabei auf die Aussage von Kellermann, der mit der vor allem die Mobilität als Ziel eines Studiums nicht gelten ließ.
Lendauer ist überzeugt: „Das Bachelorsystem braucht noch Zeit um sich in der Wirtschaft zu etablieren.“ Eine jährliche Änderung am Studienplan, nach jeder Kritik, sei auch nicht zielführend. Es brauche eher eine solide Reform in der nächsten Zeit, so der Vizerektor.
Doch es war nicht nur der Bologna-Prozess an sich, der Diskussionsstoff war. Die Diskussion erweckte den Anschein zwischen zwei Welten vermitteln zu wollen, nämlich jener der scheinbar lebenslänglichen Gesellschaftskritiker und Gesellschaftsverbesserer und den Vertretern der eher ökonomischeren Sicht der Dinge. Gerade Letzte stand und steht auch aktuell in der Gesellschaft immer wieder im Kreuzfeuer der Verfechter von einem freien und zügellosen Uni-System. Dass aber auch Diplomstudien durch simples Selektieren oft den, vielleicht auch unfreiwilligen, Eindruck eines verschulten Uni-Systems erweckten, vergessen dabei viele.
Wenn man den Versprechungen von Sagl zu Beginn glauben darf, kann man schon demnächst mit einer Fortsetzung der Diskussionen rund um die Bologna-“Prozedur“ rechnen. In Wien geht es am 11. März jedenfalls mit einer Gipfeldemo weiter.
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