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Antonia Rados: "Im Land der Mullahs"

In aufMUKen, Bücher am 04.02.10 um 14:28

Wie eine Reporterin den Iran erlebt.   „Wollen Sie jetzt verhaftet werden oder später?“   Antonia Rados berichtet von Ihren Erlebnissen als Auslandsjournalistin, die schon in den 80er Jahren Reisen in den Iran unternahm. Ärgernisse über Visabestimmungen, ihre Erlebnisse als weibliche, westliche Journalistin und über das tragen eines Kopftuchs. Sie illustriert warum schon das Frühstück im Zimmer zum Spießrutenlauf werden kann und erzählt vom Papierkrieg für Dreherlaubnisse, der oft mit dem Satz endet:   „Kommen Sie mit auf die Polizeistation, da regeln wir alles!“

Die Titel der Kapitel haben etwas boulevardeskes, das sticht ins Auge. Diese machen es auch leichter in die Thematik einzutauchen; da uns zwar viele Nachrichten aus dem Iran – gerade im Zuge der Proteste 2009 erreichen- oft aber das Hintergrundwissen fehlt. Oder wussten Sie, dass der Iran als das “ Land der Arier“ bezeichnet wird? Rados beschreibt die Kluft zwischen öffentlichem Auftreten mit Kopftuch; von denen ihre bekannte im Iran die verschiedensten Modelle besitzt, und privaten Partys wo auch Alkohol fließt und die Polizei zwar auftaucht, aber mit der durchaus verhandelt werden kann, bevor sie wieder abzieht.

Historisch gibt es eine kleine Einführung in die Entwicklung des Iran. Von der Zeit des Schahs bis dessen Sturz und dem Aufkommen des Mullah Regimes, mit dem die Menschen oft unzufrieden sind. Während es auch liberalere Zeiten in der Islamischen Republik gab (wie zum Beispiel auch der Film „Persepolis“ über ein iranisches Mädchen beschreibt) wurden die Sitten zuletzt durch die Ayatollahs immer strenger gehandhabt. Rados gibt zu dem ganzen System der Ayatollahs und des Systemwandels nach dem Sturz des Schahs eine sehr einprägsame und verständliche Erklärung des Status Quo im heutigen Iran. Aber Rados zeigt auch, dass die Jugend sich sehr liberal für den Westen interessiert. Das Buch gibt einen komplexen Eindruck über die Situation im Land und wie es zu erklären ist, dass Ahmadinedschad an der Macht ist, sie erwähnt auch seine Verbindungen zum Geheimdienst.

Sie beschreibt die Zusammenhänge der Namen, die wir vom aktuellen Nachrichtengeschäft kennen, aber nicht wirklich zuordnen können. Khamenei und Khomeini, Rafsandschani, den „Fatim-Kommandos“ oder der Hisbollah und religiösen Orten wie Quom oder der Touristenstadt Isfahan.

Neben den radikalisierenden Tendenzen im Iran gibt sie auch überraschende Einblicke in Sichtweisen wie den Stand der Geistlichen zur Transsexualität und dem Status der iranischen Juden, der im Gegensatz steht zur Haltung gegenüber Israel. Oder Sie beschreibt unerwartetes im Stadtbild: amerikanisch wirkende Imbissbuden zeigen wie mit Restriktionen umgangen wird; von „Friedlicher Atomkraft“ bis zur „Hochzeit auf Zeit.“

Im laufenden Text gibt es immer wieder Themen-Seiten, die sich mit einem Thema näher Beschäftigen und zur besseren Verständlichkeit beitragen, genauso wie das Stichwortverzeichnis am Ende und die Zeittafel der Ereignisse am Anfang des Buches.

 

Fazit:

Leicht zu lesen, unterhaltend und informativ. Alles was man sich von einem guten Buch als Reiselektüre erwartet.

 

Aktualisierte Ausgabe von „Zwei Atombomben dankend erhalten“ (2007)

 

 

Zum Thema Iran

Der Film: „Persepolis“


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